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Wissenswertes vom  Filmkomponist Johannes Kayser aus dem Bereichen Musik, Video und Filmmusik.

 

 

Das Seherlebnis eines Films wird oft stark von der Filmmusik beeinflusst. Klänge können Stimmungen untermalen und illustrieren, aber auch stark verändern, was man Polarisierung nennt. Dabei kann die Musik im krassen Gegensatz zu den Bildern stehen und die Wahrnehmung einer Szene völlig verändern. Dem Film wird eine akustische Klammer auferlegt und nun bestimmt diese die Gesamtstimmung, nicht mehr das Bild. Diese Technik wird oft für schwache Bildszenen genutzt, um diesen eine eindeutige Aussage hinzuzufügen oder im Szenenablauf die Dramaturgie beizubehalten.
Die Kombination von Bild und Klang wird ästhetisch wahrgenommen und gelangt durch unsere Sinne zum Ergebnis, welche Emotion dem Gesamteindruck entspricht. Dabei werden Bedeutungen aus gespeicherten Informationen im Gehirn zu Ereignissen und kulturellem Kontext zugeordnet. In diesem
Interaktionsprozess wirkt die Filmmusik funktionell stark auf die ästhetische Wahrnehmung einer Filmszene. Sie unterstützt die Bildinhalte, erzeugt Spannung, schafft Atmosphäre und setzt dem Inhalt einen musikalischen Stempel auf.

Filmmusik kann also den Bildinhalt unterstützen oder aber polarisieren. Im Ergebnis wird eine klare emotionale Botschaft erreicht.

 

In der Barockzeit von 1600 - 1720 hatte der Dreißigjährige Krieg Leid und Zerstörung gebracht und etwa 40 bis 70 % der Bevölkerung getötet. Wer nicht im Kampf ums Leben kam, verhungerte , erlag Seuchen oder wurde einfach ausgeraubt und erschlagen. Alle, die dieser Hölle entkamen, konnte nicht vergessen, was sie erlebt hatten. Es entwickelte sich eine unbändige Lust am Leben und jedem einzelnen Tag alles abzuringen, was er zu bieten hatte. Das spiegelte sich auch in der Musik wieder.

Die Komponisten sogen diesen Zeitgeist auf und lieferten pompöse Opern und emotionale Orchesterbearbeitungen. Es galt, viel Gefühl zu vermitteln mit übertriebenem Pracht und Prunk. Die Barockzeit war Blütezeit der schönen Künste. Die Musik war dabei nicht auf einen lauten und Raum füllenden Klang ausgelegt, sondern bildete ein breites und nuanciertes Klangbild, ein Zusammenspiel und abwechselndes Spiel zwischen Soloinstrumenten und Orchester. Es war die Perfektion der Repräsentation von Macht und Reichtum mit musikalischen Stilmitteln wie dem Generalbass und der Affektenlehre. Große Meister von Bach bis Vivaldi wurden für viel Geld engagiert, um ein Orchester zu leiten und die Musik dafür zu komponieren.

Die Barockmusik und das damalige Lebensgefühl "Carpe diem" versetzt heute viele Menschen in Nostalgie und erinnert an etwas, das wir allzu häufig vergessen im Alltagsstress. Die Kompositionen eignen sich damit bestens für dezente Stimmungen und klare Aussagen in der Filmvertonung und haben auf Grund der vielen bekannten Musiktitel einen großen Wiedererkennungswert. Wer kennt nicht die prunkvollen "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi, das emotionale "Air aus der Suite D-Dur" von Johann Sebastian Bach oder das feierliche "Halleluja" von Georg Friedrich Händel zum Ende der Barockzeit. Die klar strukturierte Barockmusik unterstützt den Filmschnitt und erleichtert die Bild- und Szenenwechsel musikalisch.
 

Das Klassikarchiv des Kayser Medienverlags bietet reichhaltig Kompositionen aus dem Barock.

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Gemafreie Klassik Orchesterbearbeitung

Frühling Antonio Vivaldi - Die vier Jahreszeiten

Gemafreie Klassik Tipp - Bekannte Melodie

3:46

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Gemafreie Klassik Orchesterbearbeitung

Orchester Suite Nr.3 in D 2. Air

Gemafreie Klassik Tipp - Bekannte Melodie

4:25

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Gemafreie Klassik Orchesterbearbeitung

Feuerwerksmusik 

Gemafreie Klassik Tipp - Bekannte Melodie

13:10

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Wer Videos produziert, weiß, wie schwierig die Auswahl der passenden Musik ist. Klingt der Musiktitel beim Voranhören noch gut, verliert er unter dem Videobild schnell seine Wirkung. Und das hat seinen Grund: Ein Film besteht bekanntlich aus seinen Bildern, dem O-Ton und der Musikuntermalung. In dieser Reihenfolge sollte auch die Priorität der drei Komponenten sein. Die Filmscene steht immer im Vordergrund. Farben und Bewegung werden durch das Auge am schnellsten zum Gehirn transportiert und sofort mit Erinnerungen und gespeicherten Informationen verknüpft.

Ein gute aufgenommene Scene spricht mit seinem O-Ton damit für sich selbst und bedarf meist nur ein klein wenig klanglicher Unterstützung. Deshalb ist Filmmusik oft sehr einfach gehalten und klingt beim Voranhören gar nicht so gut. Unter der Bildscene entfaltet und unterstützt sie dann erst die gewünschte Emotion und Dramaturgie.

Sehr oft sind Videos von Musik nur so überladen. Große Orchesterwerke reihen sich aneinander oder Titel folgen im schnellen Wechsel. Der Film wird tot musiziert und das ist sehr anstrengend für den Zuschauer. Weniger ist hier oft mehr. Stille oder nur der O-Ton wie Umgebungsgeräusche schaffen Freiräume. Alternativ können Einzelinstrumente oder ein einfaches Sounddesign eingesetzt werden.

4) Orchester Elements  - 200 x Orchestermusik
Beispiele für einfache Kompositionen von Einzelinstrumenten finden Sie in den Orchester Elements. Jedes Instrument im Orchester hat seine spezifische Ausdruckskraft und unterstützt Bilder auf ganz einfache Weise. Schauen Sie sich das Beispielvideo einmal komplett an und lassen Sie die Musikstücke auf sich wirken:
https://www.sf4.de/gemafreie-musik/orchester-elements

2) Sound Elements - Sounddesign Baukasten gema frei
Eine weitere Alternative bieten die Sound Elements. Sound Design findet man heute in jedem Film und mit diesen einfachen Mitteln minimiert man den Musikeinsatz. Auch hier gibt es ein Beispielvideo:
https://www.sf4.de/gemafreie-musik/sound-elements

Musik ist Balsam für die Seele und fördert die geistige Vorstellungskraft und Phantasie. Sie ist die globale Weltsprache für Empfindungen und Emotionen für alle Zuhörer.
Musik kann Schmerzen lindern, Erinnerungen wachrufen, psychische Barrieren überwinden und bietet ein wichtiges Bindeglied in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Sie hilft uns in einer von Sprache und Verstand geprägten Welt zu träumen.

Töne wirken sich auf den gesamten menschlichen Körper aus und verändern Herzschlag, Blutdruck, die Atemfrequenz und die Muskelspannung. Die Klänge beeinflussen vor allem die Nebenniere und Hypophyse und verändern sogar den Hormonhaushalt.

Das limbische System im Gehirn wird durch Musik angeregt und je nach Musikgenre werden verschiedene Hormone abgegeben – Adrenalin bei rhythmischer und aggressiver Musik, Noradrenalin bei sanften und ruhigen Klängen.

Die Musik prägt den Menschen von Geburt an, berührt uns im tiefsten Inneren und löst Emotionen aus, die beim Zuhörer Gänsehaut, Schwitzen, Unwohlsein öder Kälte verursachen. Klänge können Angst und Zorn erzeugen oder rühren zu Tränen, trösten und wecken Erinnerungen.
Bekannte Melodien verbindet man mit persönlichen Ereignissen. Wird die Melodie wieder gehört, kommen die Erinnerungen an erlebte Situationen zurück und auch die dabei empfundenen Gefühle.

In Filmen macht man sich die Kraft der Musik zu Nutze und lässt die Zuschauer in eine Gefühlswelt eintauchen, die reine Bildszenen nie in dieser Intensität vermitteln könnten. Die Musik ist hier der Verstärker der Emotionen. nten. Die Musik ist hier der Verstärker der Emotionen.

Die beiden Begriffe kommen aus der Postproduktion von Film und Video und zeigen an, ob Sprache, Musik und Geräusche im Bild zu sehen sind oder nicht.

Wenn die Quelle eines Tons in einer Filmscene klar zu erkennen ist, spricht man von einem On-Ton. Dazu gehören neben Sprecher, Interviewpartner und Akteure im Spielfilm auch alle Geräusche und Athmos, deren Herkunft visuell zu erkennen ist.

Der On-Ton hat seinen Ursprung immer im Bild oder in der Handlung.  Man sieht und hört synchron und gleichzeitig, was passiert und erklingt. Die Quelle des Tons ist  zu sehen wie in einem Spielfilm die Dialoge der Schauspieler oder die aktiven Geräusche eines vorbeifahrenden Zuges oder z.B. eines trabenden Pferdes.

Es ist immer darauf zu achten, ob die eingesetzten Geräusche, Sprache oder Musik zur sichtbaren Umgebung einer Szene gehören oder davon unabhängig sind.  Ist dies nicht der Fall, handelt es sich um einen OFF-Ton. Eine besondere Form nimmt der aktive Off-Ton ein, der aus der Filmscene kommt, aber nicht direkt sichtbar ist. Er gehört unmittelbar zur Handlung und die Figuren des Films reagieren darauf.  Meistens ist der Off Ton allerdings passiv und dient nur zur Bereicherung des Bildes. Er bildet häufig einen Großteil der Geräuschkulissen und dient zur reinen Orientierung.

Auch die Filmmusik gehört zum Off Ton, es sei denn, die Musiker sind synchron im Bild zu sehen. Ist die Tonquelle  im Bild nicht ersichtlich, handelt es sich immer um einen Off-Ton. Der Off Kommentar ist die Erzählerstimme. Der Einsatz der Worte ist hier besonders sorgfältig zu wählen, weil der Zuschauer keine direkte Assoziation zum Bild hat. Der Kommentar lenkt immer etwas vom Zuschauen ab. Alles, was man sowieso schon sieht wie z.B. Bildbeschreibungen, gehört nicht in den Kommentar. Klare und kurze Texte sind angebracht und auf Floskeln, Leerformeln und Plattitüden ist zu verzichten.